1. Fachinformation für Humanarzneimittel
der endogenen Östrogenspiegel führt. Die vorhandenen Daten erlauben es nicht, die Möglichkeit einer
BMD-Reduktion unter Langzeitbehandlung auszuschliessen.
Auf eine ausreichende Kalzium- und Vitamin D-Zufuhr sollte geachtet werden.
Tumorerkrankungen
Das Risiko, dass bei Anwenderinnen von Gestagen-Monopräparaten ein Mammakarzinom
diagnostiziert wird, bewegt sich wahrscheinlich in der gleichen Grössenordnung wie jenes in
Zusammenhang mit kombinierten hormonalen Kontrazeptiva (CHC). Jedoch muss beachtet werden,
dass die Daten im Falle von Gestagen-Monopräparaten auf wesentlich kleineren
Anwenderpopulationen beruhen und deshalb weniger Beweiskraft haben als jene für CHC. Die
Datenlage bei den CHC präsentiert sich folgendermassen:
Eine Metaanalyse von 54 epidemiologischen Studien ergab ein leicht erhöhtes Brustkrebsrisiko (RR =
1,24) bei Frauen, die aktuell CHC anwendeten. Das erhöhte Risiko geht innerhalb von 10 Jahren nach
Absetzen der CHC allmählich wieder zurück. Da Brustkrebs bei Frauen unter 40 Jahren selten auftritt,
ist die Anzahl zusätzlicher Brustkrebserkrankungen bei Anwenderinnen von CHC oder solchen, die
früher CHC eingenommen haben, gering im Vergleich zum Gesamtrisiko, an Brustkrebs zu erkranken.
Diese Studien erlauben keine Aussage über einen möglichen Kausalzusammenhang. Das beobachtete
erhöhte Risiko kann durch eine frühere Diagnose des Brustkrebses bei Anwenderinnen von CHC, die
biologischen Wirkungen von CHC oder eine Kombination beider Faktoren bedingt sein. Brustkrebs, der
bei Frauen diagnostiziert wird, die irgendwann einmal ein CHC verwendet haben, scheint klinisch
weniger weit fortgeschritten zu sein als Krebs bei Frauen, die noch nie ein CHC verwendet haben.
In seltenen Fällen sind bei Anwenderinnen von hormonalen Wirkstoffen wie Dienogest gutartige und
noch seltener bösartige Lebertumoren beobachtet worden. In Einzelfällen führten diese Tumoren zu
lebensbedrohlichen intraabdominalen Blutungen. Wenn starke Oberbauchbeschwerden, eine
Lebervergrösserung oder Anzeichen einer intraabdominalen Blutung bei Anwenderinnen von Visanne
auftreten, sollte ein Lebertumor in die differentialdiagnostischen Überlegungen einbezogen werden.
Vaskuläre Risikofaktoren und Komplikationen
Epidemiologische Studien haben einen schwachen Zusammenhang zwischen der Anwendung von
Gestagen-Monopräparaten und einem erhöhten Risiko für Myokardinfarkte oder zerebrale
Thromboembolien gezeigt. Das Risiko von kardiovaskulären und zerebralen Ereignissen steigt mit
zunehmendem Alter und ist ausserdem erhöht bei Raucherinnen und bei Patientinnen mit arterieller
Hypertonie. Bei Frauen mit Hypertonie ist das Risiko eines Schlaganfalls bei der Einnahme von
Gestagen-Monopräparaten leicht erhöht.
Einige Studien zeigten, obwohl statistisch nicht signifikant, unter der Anwendung von Gestagen-
Monopräparaten ein leicht erhöhtes Risiko für venöse Thromboembolien (tiefe Venenthrombose,
Lungenembolie). Generelle Risikofaktoren für venöse Thromboembolien (VTE) sind eine positive
Eigen- oder Familienanamnese (Auftreten von venösen thromboembolischen Ereignissen bei einem
Geschwister oder Elternteil in relativ jungen Jahren), Alter, Übergewicht, längerfristige Immobilisierung,
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